Das Atlanta Symphony Orchestra (ASO) hat soeben live online sein Season Announcement gegeben. Was vergangene Woche noch recht traditionell (mit nur einer Live-Video-Uebertragung) in der Met stattgefunden hat, ging jetzt komplett ohne anwesende Journalisten von statten.
Radio-Moderatorin Lois Reitzes sprach mit dem Music Director Robert Spano auf der Buehne der Symphony Hall. Eine zweite Moderatorin sprach mit Musikern in einem separaten Raum backstage. Die Qualitaet der Aufnahmen war hervorragend und auch die Idee, den "Webcast" aufzusplitten war sehr ansprechend organisiert. Live aus Deutschland sprach Donald Runnicles, Gast-Dirigent des ASO (und General Music Director der Deutschen Oper Berlin) via Skype ueber sein diesjaehriges Engagement beim ASO. Leider konnte man kaum etwas verstehen, weil der Ton rueckgekoppelt wurde.
Die technischen Gegebenheiten lenkten fast durchgaengig von den wichtigen Inhalten ab. Rueckkopplungen, Bild- und Mikroprobleme, einmal klimperte etwas sehr laut und ploetzlich war die gesamte Uebertragung abgebrochen. Am Rand des Bildschirms konnte man Diskussionen und Fragen, die via Twitter oder Facebook gesendet wurden, nachlesen. (Wir waren nicht die einzigen mit Empfangsschwierigkeiten.)
Von der rein technischen Seite betrachtet, wuerde ich sagen, dass es sehr nah an den Akteuren des Orchesters war. Eine sehr persoenliche Herangehensweise, die technisch grundsaetzlich super aufbereitet wurde, aber aufgrund vieler technischer Hindernisse vermutlich nicht wirklich zum Ergebnis gefuehrt hat (man wird sehen). Raum fuer professionelle journalistische Fragen gab es in diesem Rahmen nicht. Das muss nun hinter den Kulissen der Onlinekameras stattfinden. To be improved...
Wer Interesse daran hat, sich selbst einen Eindruck zu verschaffen, klicke bitte HIER.
Mittwoch, 3. März 2010
Dienstag, 2. März 2010
Carnegie Hall - und wie die Musik greifbar wurde
Das ging schneller als es zwischendurch aussah. Gestern abend haben sich fuer uns tatsaechlich noch die Tore zur Carnegie Hall aufgetan.
Nach einem kurzen Abstecher in das eingebettete Mini-Museum gingen wir in den Saal, um das Minnesota Orchestra mit Maennerchor, Sopranistin und Barriton zu sehen. Der Saal war weniger bombastisch als die Met, dabei aber sehr gediegen mit einer angenehmen Atmosphaere. Zuerst spielten die Streicher Beethovens "Grosse Fuge", anschliessend gab es eine 1,5h lange Interpretation von Sibelius' "Kullervo". Der Dirigent, Osmo Vaenskae, war hervorragend! Seine ausladende Gestik machte die Musik greifbar, wie eine organische Masse, die er durch den Raum bewegte. Mit sehr viel Leidenschaft fuehrte er die Musiker durch die Notenblaetter - zumeist ohne Taktstab.
Der finnische Maennerchor war gewaltig (da tut es mir glatt doppelt leid, dass ich die Urauffuerhung von Stefan Heuckes neuer Sonate in San Francisco am 6.3. nicht sehen kann). Leider konnten die beiden Solisten mit der Stimmgewalt des Chores nicht mithalten. Sie hatten allerdings mein Mitgefuehl dafuer, dass sie etwa eine halbe Stunde mit dem Gesicht zum Publikum am vorderen Rand der Buehne sassen, ohne aktiv am Konzert beteiligt zu sein. (Nach meiner kurzen persoenlichen und ehr oberflaechlichen Einschaetzung, HIER der Kommentar der New York Times)
Heute ist ausnahmsweise mal Pause mit Konzertbesuchen, dafuer steht morgen die New York Philharmonic auf dem Plan.
Derweil dreht sich im Buero alles weiterhin um die im Sommer anstehenden Festivals. Sieben Events wollen vorbereitet sein. Quer durch die USA moechten wir die Menschen auf das musikalische Angebot in Ohio, Michigan, South Carolina, Kalifornien und Minnesota aufmerksam machen. So, let's get this done!
J
Nach einem kurzen Abstecher in das eingebettete Mini-Museum gingen wir in den Saal, um das Minnesota Orchestra mit Maennerchor, Sopranistin und Barriton zu sehen. Der Saal war weniger bombastisch als die Met, dabei aber sehr gediegen mit einer angenehmen Atmosphaere. Zuerst spielten die Streicher Beethovens "Grosse Fuge", anschliessend gab es eine 1,5h lange Interpretation von Sibelius' "Kullervo". Der Dirigent, Osmo Vaenskae, war hervorragend! Seine ausladende Gestik machte die Musik greifbar, wie eine organische Masse, die er durch den Raum bewegte. Mit sehr viel Leidenschaft fuehrte er die Musiker durch die Notenblaetter - zumeist ohne Taktstab.
Der finnische Maennerchor war gewaltig (da tut es mir glatt doppelt leid, dass ich die Urauffuerhung von Stefan Heuckes neuer Sonate in San Francisco am 6.3. nicht sehen kann). Leider konnten die beiden Solisten mit der Stimmgewalt des Chores nicht mithalten. Sie hatten allerdings mein Mitgefuehl dafuer, dass sie etwa eine halbe Stunde mit dem Gesicht zum Publikum am vorderen Rand der Buehne sassen, ohne aktiv am Konzert beteiligt zu sein. (Nach meiner kurzen persoenlichen und ehr oberflaechlichen Einschaetzung, HIER der Kommentar der New York Times)
Heute ist ausnahmsweise mal Pause mit Konzertbesuchen, dafuer steht morgen die New York Philharmonic auf dem Plan.
Derweil dreht sich im Buero alles weiterhin um die im Sommer anstehenden Festivals. Sieben Events wollen vorbereitet sein. Quer durch die USA moechten wir die Menschen auf das musikalische Angebot in Ohio, Michigan, South Carolina, Kalifornien und Minnesota aufmerksam machen. So, let's get this done!
J
Montag, 1. März 2010
Mit den guten Stiefeln ins Konzert


Es hat doch aufgehoert zu schneien. Am Wochenende gab es in New York endlich etwas Zeit, die weisse Pracht zu geniessen. Der Central Park war gefuellt mit Menschen, die Iglus und Schneemaenner gebaut haben, mit ihren Schlitten die Huegel hinunter gesaust sind oder den weissen (kniehohen) Teppich digital verewigt haben (wenn man das heutzutage noch so sagen kann).
Zu einer schwierigeren Angelegenheit wurde der Schnee erst, wenn es an die Abendgestaltung ging. Geht man nun erst in wasserfesten Stiefeln zum Konzert und wechselt dort die Schuhe? Oder laesst man es drauf ankommen und ruiniert ggf. die guten Schuhe? Beim Kammerkonzert von Christian Tetzlaff (Geige) am Samstag in der Zankel Hall (Carnegie Hall) habe ich beide Varianten gesehen. Ich habe es einfach drauf ankommen lassen. Meine Stiefel haben ueberlebt.
Das Konzert war grosse Klasse. Anschliessend sind wir mit der gesamten Buerobelegschaft backstage gegangen, um dem Trio (C.T. mit seiner Schwester Tanja Tetzlaff (Violoncello) und Pianist Lars Vogt) zu gratulieren. Ich wurde als "Julia from Bochum" vorgestellt und wir haben ein Woertchen auf deutsch gewechselt.
(Mehr zum Konzert HIER in der New York Times)
Heute stehen tagsueber die Biografien zweier beeindruckender Kuenstlerinnen auf dem Plan: Alisa Weilerstein (Violoncello; www.alisaweilerstein.com) und Wu Man (Pipa; www.wumanpipa.org). Sie touren das ganze Jahr lang durch die Weltgeschichte, treten mit den bekanntesten Orchestern und in kleineren Kammerkonzerten auf und zaehlen viele viele Ehrungen und Preise ihr eigen. Fuer die anstehenden Sommerkonzerte etc. aktualisiere ich nun ihre Biografien.
Mit den Konzerten geht es in Kuerze weiter.
J
Freitag, 26. Februar 2010
Schnee all over the place

Ja, gestern hat es geschneit. Den ganzen Tag. Und die ganze Nacht. Und es hat noch nicht aufgehoert. Es schneit noch immer. Und es wird nicht weniger.
Gestern war es nass, kalt und matschig. Heute ist es weiss, weisser, am weissesten. So viel Schnee habe ich noch nie gesehen. Und das nach sechs Wochen Dauerschnee in Deutschland. Die New York Times sagt, es sollen bis Samstag 30 inches Schnee fallen - das ist ein 3/4 Meter. Zwei Mitarbeiter aus dem Buero konnten nicht zur Arbeit kommen, weil sie ausserhalb Manhattans wohnen. Die anderen kamen alle verspaetet. Von meinem Apartment aus habe ich einen Mann beobachtet, der sein Auto von meterhohen Schneemassen (durch den Wind aufgetuermt) befreien wollte - reinste Sisyphus-Arbeit und er war sich dessen absolut bewusst, wie unschwer in seinem Gesicht abzulesen war. Der kleine Stand an meiner U-Bahn-Station, an dem es morgens Kaffee, Croissants und Bagels zu kaufen gibt, war verschwunden. Ich habe keine Kutschen auf meinem Weg gesehen, keine Busse und deutlich weniger Taxen als sonst. Und auch gar keine Stretch-Limousine.
Aber die New Yorker kennen das ja bereits. ALLE tragen Muetzen und - extrem wichtig - Stiefel: Regenstiefel, wasserfeste Winterstiefel, Stiefel mit Fell und ohne, gut gefuettert aber ohne Absatz in allen Farben und Formen, meistens kniehoch. So retten sie ihr Business-Outfit vor dem weissen Nass. Aber meine Trekkingschuhe tun's auch. Immerhin sind sie wasserdicht. Nur leider nicht kniehoch.
So watch the puddles!
J
Donnerstag, 25. Februar 2010
Snowy New York
Es schneit. Und es schneit. Und es schneit. Da ist es doch schoen, sich nicht als Tourist durch die weissen und nassen Strassen Manhattans zu schlagen, sondern im Buero zu sitzen, Kaffee (mit 100% fatfree milk) zu trinken und ein bisschen zu arbeiten. Schon der Weg zum Supermarkt fuer einen frisch zusammengewurfelten Salat war extrem nass... und der ist nur ein Haus weiter.
Heute: Recherche fuer Kurzinterviews. Zu Eve Queler, Gruenderin und Musikalische Leiterin des Opera Orchestra of New York. Ein Nischenprojekt, das sich vergessenen bzw. unbekannten Opern widmet und drei-/viermal im Jahr in der Carnegie Hall auftritt. Fuer die Greunderin selbst scheint es erstaunlich, dass sich dieses Projekt bereits seit 40 Jahren haelt. Urspruenglich war es fuer Queler (geboren 1936) vor allem ein Weg, endlich ein Orchester zu dirigieren. Denn als Frau war das in den 1960er Jahren nahezu unmoeglich. Also schuf sie sich ihr eigenes Orchester und unterstuetzte gleichzeitig junge Kuenstler/Saenger, eine Buehne zu finden. 2008 dirigierte sie ihr 100. Konzert in der Carnegie Hall. Demnaechst gibt sie ihren Posten als Musikalische Leiterin ab an Alberto Veronesi, Jahrgang 1967.
Fuer weitere Informationen siehe: www.operaorchestrany.org
Und derweil schneit es, schneit es, schneit es immer weiter...
J
Heute: Recherche fuer Kurzinterviews. Zu Eve Queler, Gruenderin und Musikalische Leiterin des Opera Orchestra of New York. Ein Nischenprojekt, das sich vergessenen bzw. unbekannten Opern widmet und drei-/viermal im Jahr in der Carnegie Hall auftritt. Fuer die Greunderin selbst scheint es erstaunlich, dass sich dieses Projekt bereits seit 40 Jahren haelt. Urspruenglich war es fuer Queler (geboren 1936) vor allem ein Weg, endlich ein Orchester zu dirigieren. Denn als Frau war das in den 1960er Jahren nahezu unmoeglich. Also schuf sie sich ihr eigenes Orchester und unterstuetzte gleichzeitig junge Kuenstler/Saenger, eine Buehne zu finden. 2008 dirigierte sie ihr 100. Konzert in der Carnegie Hall. Demnaechst gibt sie ihren Posten als Musikalische Leiterin ab an Alberto Veronesi, Jahrgang 1967.
Fuer weitere Informationen siehe: www.operaorchestrany.org
Und derweil schneit es, schneit es, schneit es immer weiter...
J
Mittwoch, 24. Februar 2010
150.000 Flugmeilen im Jahr
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzaehlen. Ich gebe mir ja groesste Muehe, aber einmal ueber den grossen Teich und zurueck ist nix im Vergleich zu einigen Kuenstlern, die das halbe Jahr durch die Gegend jetten.
So habe ich beispielsweise gerade fuer einen Shuman-Klienten, seines Zeichens Geiger, recherchiert, wie viele Meilen er im vergangenen Jahr geflogen ist: knapp 150.000 (mehr als 240.000 km). Von Frankfurt nach Paris, nach Wien, nach Seoul, nach New York, Chicago, San Francisco, Toronto... Da kann man schon neidisch werden. Oder? Wer so viel reist, durchquert ziemlich viele Zeitzonen. Allein auf einer Reise von Seoul nach New York sind das 13 Stueck. Wer mag da noch den Ueberblick behalten? Und nicht nur, dass derartig Reisende staendig vom Jetlag beplagt werden, muessen sie dennoch abends auf der Buehne ihr Bestes geben - nicht umsonst gehoeren sie zu den gefragtesten ihres Fachs. (Der Name wird uebrigens aus Ruecksicht auf eine anstehende Veroeffentlichung hier nicht genannt.)
Ansonsten steht im Buero die Vorbereitung von Festivals, Festivals, Festivals an. Eins fuer Pianisten, eins fuer Nachwuchs-Talente, eins fuer alle erdenklichen Buehnen-Kunstformen. Alle im Laufe des Sommers irgendwo in Amerika. Auch hier spielen wir mit den Zeitzonen Memory. Soll jemand aus South Carolina ein Interview fuer eine Zeitschrift in San Francisco geben, sind das allein schon drei Stunden Unterschied. Moechte ein deutsches Medium ein Interview mit besagtem reisenden Geiger machen, muss der Journalist schonmal um 6 Uhr frueh am Telefon sein... Da ist die Organisation im JB Herne aufgrund der Beschraenkung auf eine Zeitzone doch etwas uebersichtlicher - aber wer weiss, was noch kommt ... ?
J
So habe ich beispielsweise gerade fuer einen Shuman-Klienten, seines Zeichens Geiger, recherchiert, wie viele Meilen er im vergangenen Jahr geflogen ist: knapp 150.000 (mehr als 240.000 km). Von Frankfurt nach Paris, nach Wien, nach Seoul, nach New York, Chicago, San Francisco, Toronto... Da kann man schon neidisch werden. Oder? Wer so viel reist, durchquert ziemlich viele Zeitzonen. Allein auf einer Reise von Seoul nach New York sind das 13 Stueck. Wer mag da noch den Ueberblick behalten? Und nicht nur, dass derartig Reisende staendig vom Jetlag beplagt werden, muessen sie dennoch abends auf der Buehne ihr Bestes geben - nicht umsonst gehoeren sie zu den gefragtesten ihres Fachs. (Der Name wird uebrigens aus Ruecksicht auf eine anstehende Veroeffentlichung hier nicht genannt.)
Ansonsten steht im Buero die Vorbereitung von Festivals, Festivals, Festivals an. Eins fuer Pianisten, eins fuer Nachwuchs-Talente, eins fuer alle erdenklichen Buehnen-Kunstformen. Alle im Laufe des Sommers irgendwo in Amerika. Auch hier spielen wir mit den Zeitzonen Memory. Soll jemand aus South Carolina ein Interview fuer eine Zeitschrift in San Francisco geben, sind das allein schon drei Stunden Unterschied. Moechte ein deutsches Medium ein Interview mit besagtem reisenden Geiger machen, muss der Journalist schonmal um 6 Uhr frueh am Telefon sein... Da ist die Organisation im JB Herne aufgrund der Beschraenkung auf eine Zeitzone doch etwas uebersichtlicher - aber wer weiss, was noch kommt ... ?
J
Dienstag, 23. Februar 2010
Ein Volo in New York

Nach der grossen Pressekonferenz gestern hatte ich die Moeglichkeit, mir die Oper "La Fille du Regiment" in der Metropolitan Opera anzusehen. Mit Pressetickets (sprich: Ich habe $ 250 gespart). Das Gebaeude ist wunderschoen und sehr imposant. Roter Teppich, goldene Decken und Kronleuchter wie Eiskristalle. Alles - natuerlich - riesig gross. Gemeinsam mit meiner jungen Kollegin Janice bin ich also auf Erkundungstour dieser auch fuer mich relativ neuen Kunstform gegangen. Wir haben uns ein Glas des "House Wine" bzw. "Champagne" (die englische Sprache macht hier keinen Unterschied zwischen Sekt und dem edleren Champagner) gekauft und haben uns die (ebenfalls unfassbar grossen) Chagall-Gemaelde angesehen. Die Oper war ebenfalls sehr imposant. Wir konnten uns aufgrund der franzoesischen Gesaenge den in den Sitzen vor uns angezeigten Untertiteln nicht erwehren.
Freudig stiegen wir letztlich in den Jubel mit ein, der die Derniere dieser Oper beschloss. In der U-Bahn-Station spielte jemand passenderweise ein Stueck aus "La Fille du Regiment" auf seiner Querfloete. Das nenne ich mal gekonnte Strassenmusik!
Ebendiese ist eine wirkliche Freude im alltaeglichen Leben New Yorks. Es gibt gar eine Initiative der Regierung, die Musik in U-Bahn-Stationen foerdert. Die Qualitaet der Musik ist entsprechend hochwertig. Da macht es auch nichts, wenn man mal etwas laenger auf die U-Bahn warten muss...denn die naechste kommt bestimmt...irgendwann...
J
Abonnieren
Posts (Atom)